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Das Geheimnis der (Über-)Hundertjährigen

 

 

Von Zeit zu Zeit sind in den öffentlich-rechtlichen Medien immer mal wieder Reportagen zu sehen mit Titeln ähnlich der Überschrift hier. Faszinierend für mich bei solchen Reportagen ist immer wieder, wie sehr diese Reportagen am Thema vorbei schlittern. Da ist in dem sonnigen Bergdorf aus Korsika im Hintergrund der ärmlich eingerichteten Küche der Knoblauchzopf zu sehen und die Flasche mit dem Olivenöl, im Bericht  aber fehlen Sonne, Knoblauch und Olivenöl völlig. Es ist das grundsätzliche Problem der Erkenntnistheorie: nur wenn man die wahren Ursachen kennt, erkennt man die Lösung.

Regelrecht grotesk ist andererseits die Vorstellung, noch nicht einmal halb so alte Hautärzte oder Vertreter der Sonnenschutzmittelindustrie würden den hier versammelten (Über-)Hundertjährigen nun dringend empfehlen, sich den Rest ihrer Tage doch noch mit Sonnenschutzcremes mit mindestens Lichtschutzfaktor 50 einzucremen und dass ein Nichteinhalten dieser Empfehlung einen Leichtsinn sondergleichen darstelle.

Was man aus den frühen wissenschaftlichen Beschreibungen als Fazit herauslesen kann, alle Versuche das Geheimnis der Hundertjährigen auf eine irgendwie geartete Genkombination oder sonstwie gearteten Genvorteil zurückzuführen, scheiterten. Aber auch sämtliche Versuche Langlebigkeit auf Prinzipien der Lebensführung, etwa Abstinenz von Alkohol, Rauchen etc zurückzuführen, führten nur ins Abseits. Und auch die Suche nach gemeinsamen Ritualen und Gewohnheiten der Über-Hundertjährigen mißlang. Helmut Schmidt, auch Schmidt-Schnauze genannt, mag hier als Beispiel dienen. Als er mit 97 Jahren starb, hatte er fast nichts an seiner Raucher-Karriere geändert: Die Zigarette und seine "Schmidt-Schnauze" waren bis zum Tod seine Markenzeichen. Zwar fiel dem starken Raucher - er war bis zum Schluss Ketten-Raucher - in seinen letzten Lebensjahren das Gehen und Hören offensichtlich schwerer. Geistig und politisch aber blieb der fünfte Kanzler der Bundesrepublik Deutschland  als respektierter "Elder Statesman" präsent.

Liest man zusammenfassende Berichte über Über-Hundertjährige fallen auffallend oft Begriffe wie Zigarre und Zigarette oder das Gläschen Whisky oder sonstige Alkoholika ins Auge. Alle Fragen nach sonstigen Gemeinsamkeiten der Über-Hundertjährigen dagegen scheitern. Woran liegt das?  Recht offensichtlich hatten sie sich weder in ihrer Ernährung an irgendwelche erkennbaren Regeln gehalten, noch waren sie durch irgendwelche erkennbaren Gen-Vorteile ausgezeichnet, warum also wurden diese Menschen fast 50 Jahre älter als sämtliche ihrer Zeitgenossen?

Ich bin nicht so überheblich zu sagen, ich hätte die Lösung. Aber ich kann auf einige Randphänomene aufmerksam machen, die vielleicht andere hinderten, der Lösung näherzukommen. Da wäre zuerst einmal der Fakt zu nennen, dass Mediziner selbstverständlich nicht gegen eherne Medizin-Dogmen argumentieren können, etwa, dass Rauchen einen der sichersten Pfade zum frühen Tod darstellt.  Und da die meisten der Longevity-Bücher nun mal von Medizinern geschrieben werden, findet dieser Fakt auch keine Erwähnung.

Der Fakt, dass viele der Nahe-Hundertjährigen oder Über-Hundertjährigen oder gar 120-jährigen Raucher waren, bekommt insofern eine Bedeutung, dass eine Begleiterscheinung des Rauchens oft eine Abneigung gegen Süßigkeiten mit sich bringt. In den Fallbeschreibungen der Langlebigen geht dieser Fakt ganz einfach deshalb oft unter, weil gegen Ende des Lebens dieser Über-Hundertjährigen sich dann doch auch bei ihnen noch eine späte gewisse Süßigkeiten-Abhängigkeit entwickelte, bei H.Schmidt etwa der gezuckerte Kaffee, Cola und andere Süßigkeiten. Bei anderen (Über-)Hundertjährigen war oft eine späte Abwendung von traditioneller Ernährung hin zu Fastfood-Ernährung zu finden.

Dann ist da der Fakt zu nennen, dass bei den Über-Hundertjährigen die typischen Alterskrankheiten, die in der Normal-Bevölkerung in den Siebzigern auftreten, bei ihnen erst in den nach-hunderter Jahren auftreten, also etwa 30 Jahre später. Was lief bei ihnen anders, was schützte sie vor dem Auftreten der bei allen anderen 30 Jahre früher auftretenden Alterskrankheiten ? Nur gezielte intensive Befragungen könnten diese eklatante Verschiebung erhellen.

Dann ist da die widersprüchliche Erkenntnis zu erwähnen - ein regelrechtes Paradoxon, dass einerseits langlebige Männer bei kognitiven Tests als auch bei funktionellen Tests besser abschneiden als Frauen, andererseits aber Frauen in puncto Langlebigkeit weitaus stärker vertreten sind, sogar im Verhältnis von 4:1 gegenüber Männern im Vorteil sind. I.E. Frauen leben länger, oft aber mit schlechter Gesundheit.

Die heutige Wissenschaft glaubt, dass (Über-)Hundertjährige mehr oder weniger zufällig durch Glück zu ihrer Langlebigkeit gekommen sind (zwar werden auch immer wieder Gene angeführt, diese werden aber nicht spezifiziert, was eine solche Aussage fragwürdig macht. Das einzige, das hier heraussticht ist das Gen, das den Bauplan für das Protein Apolipoprotein E4, kurz ApoE4 trägt. Und auch dies ist kein Gen-Vorteil, sondern ein Nachteil. Es soll das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, signifikant erhöhen. Andere, wie CETP oder FOXO3 sind wohl noch sehr fragwürdig.).

Regelmäßiges sportliches Training soll dagegen schon nach 6 Monaten jugendliche Genexpressionsmuster bewirken. Haben Sie Ihre Hanteln griffbereit?



 

 

 
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